Diskussionspunkte zum Thema: Programmierung

1. Die Informatik in der Schule habe, so lesen wir in einer Publikation "Zur Didaktik des Informatikunterrichts" ein ähnliches Problem wie der Physikunterricht, der auf den ersten Blick auch nicht viel mit der [von den Schülern in ihrer Lebenswelt] erfahrenen Technikumgebung zu tun hat. Sie ist aber im Unterschied zu diesem kein Pflichtfach und deshalb darauf angewiesen, interessant zu sein."
Trifft das zu? Muss nicht jedes Fach "interessant" (sprich: motivierend) sein? Wird hier nicht mit allzu billigen Effekten nach der Gunst der Schüler geangelt? Was hülfe es einem Fach, das noch so unterhaltend wäre, wenn es die Ziele der Allgemeinbildung verfehlt? Was hat Bildung mit "Interessantheit" zu tun?

2. Zur Kritik an der herrschenden Unterrichtspraxis äußert sich E. Lehmann (1993): "Der Anfangsunterricht im Fach Informatik ist häufig bestimmt durch die Bearbeitung vieler kleiner Aufgaben, die das benötigte grundlegende Rüstzeug für die verwendete Programmiersprache bereitstellen sollen. Diese Aufgaben haben in der Regel keine praktische Relevanz und werden, nachdem sie den obigen Zweck erfüllt haben, schnell wieder beiseitegelegt. Auch die Qualität dieser Programme muss gering bleiben, da z. B. schon falsche Eingaben zum Absturz des Programms führen". Was ist an dieser Argumentation richtig, was falsch?
(Ist die Tatsache "geringer Qualität" im Sinne von Absturzsicherheit im Anfangsunterricht anstößig? Ist die Forderung nach "praktischer Relevanz" der Programme unbedenklich? Hat etwa ein Programm, das mittels Turtlegrafik ein geometrisches Ornament zeichnet, hat eine Simulation "Maus-Wiesel" praktische Relevanz? Muss im Anfangsunterricht die Qualität kommerzieller Programme angestrebt werden?)

3. "Schülerinnen und Schüler wenden sich gelangweilt ab, wenn trotz komfortabelster Tabellenkalkulationsprogramme im Unterverzeichnis nebenan die Addition zweier Zahlen mit Pascal (oder womit auch immer) als Unterrichtsthema vorgegeben wird. Wie soll da noch ansprechender Unterricht geplant und durchgeführt werden? Und wie soll das, was unter informatischer Bildung verstanden wird, als Ziel an allgemeinbildenden Schulen erreicht werden?" (Koerber & Peters 1993).
Vermag diese Argumentation zu überzeugen? Was meinen die Autoren wohl mit "ansprechendem Unterricht"?

4. Arbeiten Sie ein Referat für ein lnformatik-Curriculum-Gespräch aus, in dem die Gründe für bzw. gegen das Programmieren erörtert werden. Achten Sie darauf was die Autoren jeweils unter ,,Programmieren" verstehen (Umsetzen eines Algorithmus in eine Programmiersprache oder Programmentwicklung im Sinne algorithmischen Problemlösens oder Methodik der Systementwicklung).

5. Diskutieren Sie folgende Aussage im Hinblick auf die Konzepte für den Anfangsunterricht:
"Wenn Schüler selbständig Programme entwickeln sollen, dann kann dies nicht "aus dem Nichts" geschehen: sie müssen erst einmal wissen, was überhaupt möglich und nötig ist und dazu sind Beispiele erforderlich. Beispiele setzen Standards. Sie zeigen, wie ein
>ordentlich und lesbar< geschriebenes Programm aussieht (...); sie veranschaulichen die Verwendung aussagekräftiger Namen für Unterprogramme und Variablen; sie demonstrieren, von welcher Länge an ein Programm besser in Unterprogramme aufgespalten wird, um das Gesamtgeschehen überschaubar zu halten....) Wichtig scheint mir die Möglichkeit, erweiterbare Beispielprogramme vorzugeben. Die Informatik-Anfänger müssen dann nicht ein Problem vollständig lösen, sondern können ein Programm testen, modifizieren und erweitern" (Modrow 1991, 117).